Umräumen

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Was Werkstätte war. Was Atelier zwischendurch war. Die Richtung: Lager und Arbeitsraum. Sortieren der Werkzeuge, Schrauben und Hilfsmittel. Ohne neutralen, leeren Platz ist das Umräumen eines von Chaos 1 zu Chaos 2 mit der Hoffnung auf Ordnung.

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Manche Objekte müssen sich damit begnügen, dass sie fotografisch festgehalten werden. Dann gehen sie den Weg der Entsorgung. Andere werden als Dinge archiviert. Das Fotografieren hilft die Entsorgungshemmung zu überwinden. Manchmal ist es mehr der museale, kulturhistorische Blick als der private der die Entscheidung trifft.

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Sehr spannend dieser Katalog mit Furnieren. Nicht Abbildungen sondern Exemplare. Ein klassisches Musterbuch eben. Die Holzart sogar handschriftlich.

 

 

Gegenseiten

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Manchmal sehe ich etwas nicht. Sehe es solange nicht bis ich in einem anderen Zusammenhang den Blick eröffnet bekomme. Die Schilder (von Hinten) waren bisher immer Bilder von Ortstafeln oder Flurnamenschilder, jedenfalls freistehende Objekte. Jetzt: das am Haus befestigte Objektschild. Ein ganz anderer Kontext, ein anderer Typ von Schild, ein Namensschild vermutlich, ein Schild welches von einem Gewerbe erzählt vielleicht. Einerseits gibt es bei mir Fotoarbeiten die bewußt den Text im Bild suchen und solche eben die bewußt den – vorhandenen – Text verweigern. Diese Bilder beharren auf den Bildstatus.

Gebrochenes Bild

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Gebrochene Landschaftsbilder. Das könnte eine Serie werden. Oder auch nicht. Zur Zeit entstehen auffallend wenige Fotografien. Eine neue Arbeit mit Uhren wird hier demnächst zu sehen sein. Das Wintersemester an der Fachhochschule geht dem Ende zu. Mit dem März kommt dann das Album wieder zum Blühen. Vorgesehen sind neue Galerien mit Arbeiten aus den 80er und 90er Jahren.

Dreizehn. 1/13. Eine Art Entwurfstagebuch.

Mit DREIZEHN wird ein neues Thema bzw. ein neues Labor eröffnet. Es ist völlig offen, was hier geschieht. Das Jahr 2013 hat noch gar nicht begonnen, der Stempel ist schon da. Das Labor beginnt schon zu arbeiten. Legt auch Bilder auf die Tische aus früheren Arbeitsphasen.

Einen Begriff, einen Stempel, eine Kategorie zu haben, ist für meine Arbeitsweise wichtig. Es ist wie ein Kristallisationsfaden in einer Flüssigkeit. Darin ist freilich noch kaum etwas aufgelöst. DREIZEHN ist auf keine zukünftige Ausstellung bezogen, das Projekt ist frei. Das ist gut. Es gibt aber Vorsätze, vielleicht fallen sie ja noch. Etwa die Türen – abgestellt, irgendwo – sie sollen in diesem Labor eine Rolle bekommen.

Schon seit ein paar Jahren fotografiere ich solche Türen – diese Aufnahme ist im Sommer in Frankreich entstanden. Ebenso das Bild eines Heizkörpers im See. Es sind Momente von Intensivität, vorgefundene „kritische Objekte“. Sie sind wie Rätsel. Es gilt sie nicht zu lösen, es gilt sie auszudehnen, zu verdichten.

PAINTING könnte der Titel des nächsten Fotos sein. Aufgenommen in der Theaterwerkstatt des Vorarlberger Landestheaters. Wieviele Kulissen hat dieser Möbelhund schon berührt. Schon länger beschäftigen mich auch gebrauchte Malerkittel. Jetzt könnte ich beginnen welche zu sammeln. Indizien für Malereien.

Eine Phantasie einer Ausstellung. An die hundert Tische im Raum. Darauf, Fotos, Skizzen, Collagen etc. Ect. An der Wand elf Fotoarbeiten. Die Fotos sind mit Text überschrieben. Bild und Text sind jeweils schwer sicht- bzw. lesbar. Es gibt eine grosse zeitliche Differenz zwischen dem gezeigten und dem beschriebenen Ereignis. Oder eine grosse geografische Differenz. Ein erster Versuch. Rein fiktiv.

Die Schrift ist sicher so nicht optimal gesetzt. Die Idee ist präsent. Die Form stimmt noch nicht. Zwischendurch stellt sich eine Frage. Auf meinem Schreibtisch liegt eine Kartonage. TASCHENDRACHEN Pocket Kite. Kompaktes Transportformat: jederzeit einsatzbereit. Einsetzbar schon ab 5 km/h Windgeschwindigkeit. Soviel zum verpackten Ding, es liegt in einem anderen Raum. Die aufgeklappte Kartonage (Innenteil) gibt keine Information her. Sind solche Kartonage einer Sammlung, einer Präsentation sogar wert? Es liegt ein Reiz an den Objekten. Genügt so ein Reiz für eine Arbeit?

In Memoriam Carla Nimpfer

In Memoriam Carla Nimpfer ist eine Gedächtnisausstellung im ORF_Funkhaus_Dornbirn_Austria anlässlich der Präsentation der Hefte SAGENHAFT. Hubert Matt hat das SAGENHAFT 2 gestaltet und diese Ausstellung IMCN organisiert, teilweise dafür auch Rekonstruktionen der Arbeiten angefertigt. Kuratiert wurden die Hefte und die Ausstellung von Carina Jielg. Eine Slideshow des Heftes wird auf einer Seite des Blogs angeboten, siehe: Seiten, SAGENHAFT 2.

Kopfstand einer Dame in Schwarz (CN 2007): Für Carla Nimpfer waren „Kleiderhaken immer wichtiger als Kleider“, wie sie zu sagen pflegte. Ihre Arbeit reflektiert immer wieder die Arbeit von Marcel Duchamp, in diesem Fall das Fahrradrad. Er war ja möglicherweise der Urgrossvater väterlicherseits. Die Arbeit zeigt gleichzeitig die Methode ihrer „kleinen Geste“, zwei vorhandene Dinge werden kompiniert, gekreuzt. Sie liebte es auch, Pflanzen zu kreuzen, ihr Zimmer war voll mit diesen Experimenten.

Links sehen wir eine Rekonstruktion eines Requisites für eine Performance von CN (2004/2012), sie trug diese Palette etwa entlang des Weges der Sagengestalt vom Mann vom Tannenbach. Rechts sehen wir die Arbeit: Schwarzer Hund oder: das letzte Abendmal von 2011. Die Kartonage hat CN vor ehemaligen Drogerie Schwarzer Hund in Bregenz gefunden (2010) und 2011 zum Kunstwerk deklariert.

2010 besuchte CN Bregenz und sah sich im Vorarlberger Landesmuseum um, dieses befand sich gerade im Abbruch. Diese Szene faszinierte sie sehr, Pflanzen, eine Leinwand, ein Glas, ein Kabel und ein unbestimmbares Gestell. Sie fotografierte die Szene und bearbeitet sie. Dabei verändert die Tasche ihre Farbe. RGB war ein erster Titel für die Arbeit, später schrieb sie auf Rückseite einen anderen Titel: Taschenspielertricks. Es sind drei Fotodrucke auf Büttenpapier. Bei ihrem Aufenthalt in B lernte sie ihren späteren Nachlassverwalter HM kennen.

Carla Nimpfer erbte von ihrer Familie unzählige Schachteln mit Fotos und Zeitungsausschnitten. In ihrem letzten Lebensjahr, sie starb im Juni 2012, war sie primär mit der Ordnung dieser Akten beschäftigt. Sie begann ihre Familiengeschichte aufzustellen. HM rekonstruierte für diese Ausstellung IMCN eine Arbeitssituation von CN. Die Arbeiten MEINE ZIMMERPFLANZEN NR.2 und DAS GLAS -ÜBER INSTRANSPARENZ zeigen die nächsten zwei Fotografien. Die Blumenkiste ist mit Farbtafeln von Blätter- und Blütenpflanzen – ähnlich einem Zettelkasten – besetzt. Das Artifizielle wird bei CN stets noch artifizeller. DAS GLAS ist ein beidseitiger Fotodruck auf eine Acrylplatte. Von einer Seite ist das Positiv, von der anderen das Negativ gedruckt. Das Motiv: Übereinandergelegte Glasplatten. Eigentlich eine Intransparenz, weil Positiv und Negativ sich auslöschen, dennoch entsteht – vorallem in der leichten Verschiebung der Seiten – gleichzeitig eine Opakheit und eine Transparenz. CN reflektiert in dieser Arbeit einerseits auf die Selbstreferenz des Glase – als eine Urszene der Bilderfahrung – andererseits auf das Grosse Glas von MD.

Zur Person CN: Carla Nimpfer wurde als Tochter von Nina Nimpfer und Josef Merz geboren. Sie verbrachte einige Jahre in einem Internat. Ihr Studium der Physik und Biologie hat sie frühzeitig abgebrochen. Ein Zimmerbrand wurde für sie zu einem traumatischen Erlebnis. Nach den Studienjahren in Graz begann sie mit ihrer künstlerischen Arbeit.
Ihre Arbeiten signierte sie immer mit Carl Nimpfer, auch im sozialen Netz war sie als männlicher Künstler bekannt. 2010 unternahm sie eine Weltreise. Sie reiste nach Mexiko, New York, Buenes Aires, Lima, Afrika, Indien, Japan, China, Moskau und Polen. Diese Reise diente auch der Erforschung der Familiengeschichte, hier legte sie Abstecher nach Frankreich und Österreich ein. Die Reisen dienten auch der Rekonstruktion von kunsthistorischen Arbeiten, Nachstellungen von Künstlerreisen oder einzelnen Arbeiten.
Am 21. Juni 2012  – hundert Jahre nachdem ihr Urgrossvater bei der Durchreise in B vielleicht dem Zug entstiegen ist – posierte sie nackt auf der Treppe in einer Pension in B um mit Selbstauslöser ein Foto zu machen, dabei kam sie unglücklich zu Sturz und brach sich das Genick, sie war sofort tot.  Am Schreibtisch ihres Arbeitsraumes fand sich eine Notiz, dass alles was in der Wohnung gefunden würde, einem Künstler aus B übergeben werden solle. Er wurde zum Nachlassverwalter bestellt.

 

IMCN

Die Ausstellung IMCN wird bei der langen Nacht der Museen im ORF-Studio-Vorarlberg (6.10.2012) eröffnet. An diesem Abend werden die ersten drei Hefte von SAGENHAFT vorgestellt. Diese Skizze zeigt einen Aufstellungsplan der Arbeiten der Carla Nimpfer, sie ist im Juni im dreissigsten Jahr verstorben. Gezeigt werden Fotoarbeiten und Objekte,  eine Auslegung als Reakting ihrer Familienforschung, eine Rekonstruktion eines Objektes für eine Performance (das Stück kann für das Reakting der Performance ausgeliehen werden) und ihre Rekonstruktion eines Erbstückes ihres Urgrossvaters (Schatulle mit Fotos). Der Autor dieses Blogs, Hubert Matt ist der Kurator dieser Gedächtnisausstellung. IMCN, In memoriam Carla Nimpfer, wird auch ein Objekt zeigen welches auf den Urgrossvater anspielt, gleichzeitig aber die Studien über Kleiderbügel fokusiert. Ein Blumenständer, ein Kleiderbügel und der Haken des Bügels als Befestigungsschraube -wie ein Rotor, zum Stillstand gebracht. Gezeigt wird auch die Fotoarbeit – Mein Museum – Farbverschiebungen einer Tasche – eine Fotoarbeit welche auf ihrer Reise zur Sagengestalt des Mannes vom Tannenbach (Die Frau in Weiss und Schwarz – so der Titel der Sage) beim Abbruch des Museums in B entstanden ist. Zu sehen: eine Tasche, eine Leinwand, ein Spiegel, ein Brett und Pflanzen, eben die Welt der CN.

Blue and White

Blue shadow. Die Spiegelung erzeugt eine illusionistische Transparenz. Optisches Gerät? Übergänge. Zoo München 2012.

White thing with two points. München, Zoo, 2012. Noch völlig offen, was mit den Bildern zu tu ist. Möglicherweise lässt sich aus den Bildern, fotografiert in den Zoos eine Serie erstellen. Objekte zwischen, zwischen was? Jedenfall interessieren mich die Objekte in den Zoos mehr als die Tiere. Sie werden zu Kunstähnlichkeiten, sie werden ähnlich zu gefundenen KRITISCHEN OBJEKTEN.